Dojo-Leben: Dojo-Berichte, Erzählungen, Anekdoten...

 

Hier findet Ihr Erlebnisberichte und Beiträge über unseren Verein und unseren Aktivitäten. Einige Artikel stehen auch in der Yoi! -Vereinszeitschrift. Diese findet Ihr auch online in der Rubrik Dojo-Leben (Yoi! -Zeitschrift) . Weiterhin gibt es einen Dojo-Blog, welchen Ihr hier findet. Und natürlich könnt Ihr uns auch bei Facebook finden.

 


Vom Ballmuffel zum Karateka

Kinderkarate in Sudershausen

„Fußball find ich doof. Ich will Karate lernen“, sagt mein 6-jährger Sohn Henry. Ich hätte mich auf alles eingelassen, wobei er sich bewegt – sogar auf Fußball. Er ist schnell gewachsen und weiß oft nicht, wohin mit seinen Armen und Beinen. Mit Kinderturnen konnte ich ihn nie von seinen Lego-Gebäuden weglocken und Fahrradfahren fand er auch nur in Maßen und auf ebenen Strecken akzeptabel. Er verrät mir nicht, wie er auf die Karate-Idee kommt, aber ich bin begeistert und denke an Karate Kid.

Nach kurzer Recherche landen wir beim Kinderkarate in Sudershausen. Alle Kinder tragen weiße Anzüge, einige mit farbigen Gürteln. Trainerin Silke begrüßt erst das Dojo, dann uns. Zum Start bildendie Kinder einen Kreis und knien sich hin. Auf japanische Kommandos hin schließen alle die Augen, öffnen sie wieder und verbeugen sich. Ich bin erstaunt, dass Henry ganz selbstverständlich mitmacht als wäre es der Morgenkreis im Kindergarten. Silke stellt den Kindern eine Frage: „Was würdet ihr tun, wenn euch jemand Fremdes Süßigkeiten anbietet?“Nach kurzem Zögern wird gebrainstormt. Natürlich sind sich alle einig: Annehmen kommt nicht in Frage. Silke bekräftigt, dass auch Kinder zu Erwachsenen Nein sagen dürfen. Genau das wird jetzt geübt. Sogar Henry traut sich, sein Nein laut und bestimmt zu rufen.

Zeit sich zu bewegen. Silke baut mit Hilfe der Kinder einen Parcours aus Matten und sogenannten Flusskieseln – bunten Elementen, auf denen man balancieren kann – auf. Die Kinder üben Purzelbaum und Judorolle. Einige schlagen sogar ein Rad. Als Henry dran ist, hilft Silke ein wenig mit. Ich sehe, dass er bollestolz ist als er seine erste Rolle fast ganz alleine schafft. „Das ist eine wichtige Übung für jede Sportart. Die Kinder lernen, sich im Raum zu orientieren, entwickeln Körperwahrnehmung und Selbstvertrauen“, erklärt die Trainerin. Weiter geht’s zur nächsten Station. Zuerst laufen die Kinder auf den Flusskieseln. Weil das viele ganz gut hinbekommen, dürfen sie in der nächsten Runde auf bestimmten Farben einen Faustschlag dazu machen. Henry tritt öfter daneben, bleibt aber konzentriert bei der Sache.

Ich frage mich, wann das Kämpfen beginnt. Dann fasse ich mir an den Kopf, klassischer Fehler. Bei Karate Kid wurde auch nur aufgetragen und poliert. Silke stellt die Kinder paarweise zusammen und in zwei Reihen gegenüber auf. Alle verbeugen sich und sagen Oss. Ich lerne, dass der Gruß Respekt vor dem Gegner bzw. Trainingspartner ausdrückt. Das gefällt mir – eine schöne Abwechslung zum Geraufe und Gezickemit den Geschwistern. Silke zeigt Henry, wie er mit den Fäusten den Abstand zu seinem Gegner messen kann und erklärt, dass er genau weit genug wegstehen soll, damit er ihn nicht trifft. Er muss „OiZukiJodan“sagen und auf japanische Zählung mit Faustschlag nach vorn gehen, während sich sein Gegenüber rückwärts bewegt. Silke achtet genau darauf, wie die Kinder stehen, lobt viel und korrigiert hin und wieder. Die Knie richtig zu beugen scheint schwierig zu sein.

Als nächstes stellen sich die Kinder in einer Reihe nach Gürtelfarben sortiert auf. Silke erzählt Henry, dass er jetzt eine Kata lernt und spricht ihm Mut zu: „Lauf einfach mit und kuck dir was bei den anderen ab. Bald kannst du das auch.“ Silke zählt wieder auf Japanisch und die Kinder kämpfen mit genau definierten Bewegungen gegen einen Schattengegner. Es sieht aus wie ein Tanz und ich bin beeindruckt. Mein Sohn versucht, irgendwie mitzumachen und er tut mir ein wenig Leid, weil er die Abläufe nicht kennt. Doch ihn scheint das nicht zu stören.

Und weil alle super mitgemacht haben, wird zum Abschluss eine Runde Gürtelhockey gespielt. Dabei darf der Ball nur mit dem Gürtel, den die Kinder gefaltet in der Hand tragen, berührt werden. Henry bekommt einen von Silke. Die Stunde endet mit dem gleichen Ritual, mit dem sie begonnen hat. Ich habe schon beim Zuschauen viel gelernt –zum Beispiel, dass Kinder beim Karate Lernen mindestens so viel Spaß haben können wie beim Bälle Rumkicken. Als ich Henry frage wie er Karate fand, sagt er „gut“ (das heißt so viel wie wahnsinnigmegacool). Jetzt ist er schon ein dreiviertel Jahr mit Feuereifer dabei und hat fast nie ein Training verpasst.

 


 Neulich wieder entdeckt: Kleine Motivationshilfe im Oberstufentraining :-P